Gewicht bei Teilladung

Das ist das Problem, das du nicht kommen siehst, denn bei der Abfahrt stimmte alles. Unten steht, warum Entladen in Etappen deine Achslast verschiebt, und wie du das vorher ausrechnest statt hinterher festzustellen.

Geprüft am 23. August 2026 6 Minuten Lesezeit
Kurze Antwort

Das Problem: beim Entladen ändert sich nicht nur dein Gesamtgewicht, sondern auch, wo der Schwerpunkt des Rests liegt.

Die Folge: du kannst leichter werden und gleichzeitig auf einer Achse schwerer.

Die Lösung: rechne die Zwischenstände vorher aus, und lade in der Reihenfolge, die dich am Ende gut dastehen lässt.

Warum leichter werden dich schwerer machen kann

Bei der Abfahrt steht deine Ladung über den ganzen Boden verteilt und der gemeinsame Schwerpunkt liegt irgendwo in der Mitte. Entlädst du die erste Partie, fällt dieser Teil aus der Summe und der Schwerpunkt des Rests wandert dorthin, wo noch etwas steht.

Stand deine erste Entladung vorn, wandert der Schwerpunkt nach hinten und Gewicht geht von deiner Sattelplatte auf die Aufliegerachsen. Deine Summe ist gesunken, deine Achslast hinten gestiegen.

Das ist keine Ausnahme, sondern die Regel. Bei jeder Teilladung passiert es, es fällt nur auf, wenn du gerade darüber gerätst.

Wie du die Zwischenstände ausrechnest

Du nutzt denselben Hebel wie in Achslast berechnen, nur je Partie statt für die ganze Ladung.

Jede Partie hat ein eigenes Gewicht und einen eigenen Platz auf dem Boden. Was eine Partie auf die Aufliegerachsen legt, ist ihr Gewicht mal ihr Abstand zur Sattelplatte, geteilt durch den Abstand von der Sattelplatte zum Achsaggregat. Alles addieren, was noch an Bord ist, ergibt deine Achslast in diesem Moment.

Je Partie auf die AufliegerachsenGewicht × Abstand zur Sattelplatte ÷ L
Achslast zu einem Zeitpunktdie Summe davon über alles, was noch steht

Das Schöne daran: du machst das einmal je Tour und kennst dann alle Zwischenstände.

Ausgerechnet, mit L = 7,5 Meter

Nimm drei Partien zu je 8 Tonnen, auf 2, 5 und 7 Meter hinter der Sattelplatte. Zusammen 24 Tonnen.

SituationAuf den Aufliegerachsen
Alles an Bord8×2÷7,5 + 8×5÷7,5 + 8×7÷7,5 = 2,13 + 5,33 + 7,47 = 14,93 t
Vordere Partie entladen5,33 + 7,47 = 12,80 t
Stattdessen die hintere entladen2,13 + 5,33 = 7,46 t

Schau auf die letzten beiden Zeilen. In beiden Fällen bist du 8 Tonnen los, aber welche acht du entlädst, entscheidet, ob 12,8 oder 7,5 Tonnen auf deinem Achsaggregat stehen. Ein Unterschied von gut fünf Tonnen, allein durch die Reihenfolge.

Und beachte die erste Zeile: 14,93 Tonnen nur aus der Ladung. Dazu kommt das Eigengewicht deines Aufliegers. Die Grenze von 24 Tonnen für eine Dreifachachse ist dann näher, als du denkst.

Die Rechenbeispiele sind von uns und dienen dazu, den Mechanismus zu zeigen; setz deine eigenen Partiegewichte, Positionen und dein L ein.

Laden in der Reihenfolge, die dich am Ende rettet

Die praktische Folgerung ist, dass deine Lade- und deine Entladereihenfolge zusammenhängen. Du lädst in umgekehrter Entladereihenfolge, das weiß jeder, aber dazu gehört eine zweite Frage: wie stehe ich da, wenn die Hälfte raus ist?

1Setz die schwerste Partie möglichst nicht ganz nach hinten, wenn sie zuletzt rausgeht.
2Rechne den Stand nach jeder geplanten Entladung, nicht nur bei der Abfahrt.
3Wird unterwegs nachgeladen, rechne neu. Nachladen auf eine freie Stelle hinten hebt deine Achslast schneller, als du erwartest.
4Hast du ein verschiebbares Achsaggregat, wisse vorher, bei welchem Stopp du schieben musst, statt es nach Gefühl zu machen.

Vergiss die Untergrenze nicht

Bei Teilladung läufst du auch gegen die andere Seite. Entlädst du alles, was hinten stand, geht Gewicht auf die Sattelplatte, und das ist meistens kein Problem. Entlädst du aber alles, was vorn stand, und fährst mit einem Rest ganz hinten weiter, steht deine Zugmaschine leicht.

Das Gewicht auf der oder den Antriebsachsen eines Fahrzeugs oder einer Fahrzeugkombination darf nicht weniger als 25 % des zulässigen Gesamtgewichts des Fahrzeugs oder der Fahrzeugkombination betragen, wenn es im grenzüberschreitenden Verkehr eingesetzt wird.

Richtlinie 96/53/EG, Anhang I, Nummer 4.1. Abgerufen am 23. August 2026.

Dieser Prozentsatz rechnet über dein Gewicht in diesem Moment. Wirst du leichter, sinkt die Anforderung in Tonnen mit, aber das Verhältnis muss weiter stimmen. Eine fast leere Kombination mit dem Rest der Ladung ganz hinten ist genau die Lage, in der es schiefgeht.

Was eine Kontrolle sieht

Eine Achslastwaage misst, was in diesem Moment darauf steht, nicht was bei der Abfahrt darauf stand. Dass du beim ersten Verlader sauber gewogen wurdest, hilft dir beim dritten Stopp nicht. Die Verteilung von damals ist kein Beleg für die Verteilung von jetzt.

Die Richtlinie über die technische Unterwegskontrolle verknüpft Ladungsverteilung und Achslast übrigens ausdrücklich miteinander; das steht in Ladungssicherung und die Kräfte.

Quellen

  • Richtlinie 96/53/EG, Anhang I, Nummern 3.1 bis 3.5 (Achslasten) und Nummer 4.1 (Mindestgewicht auf der Antriebsachse). EUR-Lex
  • Richtlinie 2014/47/EU, Anhang III, Teil I, Nummer 2, die die Ladungsverteilung an die höchst- und mindestzulässige Achslast knüpft.

Der Gesetzestext ist wörtlich aus der deutschen Sprachfassung auf EUR-Lex übernommen und am 23. August 2026 geprüft. Das Eigengewicht deines Aufliegers kommt zu allen Ergebnissen noch hinzu.

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