Äußerlich erkennbarer Schaden: Vorbehalt spätestens im Zeitpunkt der Ablieferung.
Nicht erkennbarer Schaden: sieben Tage, Sonn- und Feiertage nicht mitgerechnet, und schriftlich.
Verspätung: einundzwanzig Tage, ebenfalls schriftlich.
Ohne Vorbehalt: die Annahme gilt als Anscheinsbeweis, dass die Güter im Zustand laut Frachtbrief ankamen.
Verbindlich sind der englische und der französische Wortlaut des CMR. Die deutsche Fassung im Bundesgesetzblatt ist eine Übersetzung. Wir zitieren den authentischen englischen Text und erklären ihn auf Deutsch.
Die Grundregel und was ohne Vorbehalt passiert
If the consignee takes delivery of the goods without duly checking their condition with the carrier or without sending him reservations giving a general indication of the loss or damage, not later than the time of delivery in the case of apparent loss or damage and within seven days of delivery, Sundays and public holidays excepted, in the case of loss or damage which is not apparent, the fact of his taking delivery shall be prima facie evidence that he has received the goods in the condition described in the consignment note. In the case of loss or damage which is not apparent the reservations referred to shall be made in writing.
CMR-Übereinkommen, Artikel 30 Absatz 1, authentischer englischer Wortlaut. Abgerufen am 23. August 2026.
Auf Deutsch: nimmt der Empfänger die Güter an, ohne ihren Zustand ordnungsgemäß mit dem Frachtführer zu prüfen und ohne rechtzeitig einen Vorbehalt zu senden, gilt die Annahme als Anscheinsbeweis dafür, dass er die Güter im Zustand laut Frachtbrief erhalten hat.
Anscheinsbeweis heißt: es ist nicht in Stein gemeißelt, aber ab da liegt die Last bei dem, der etwas anderes behauptet. Genau darum geht es bei einem Vorbehalt.
Die drei Fristen nebeneinander
| Situation | Frist | Form |
| Äußerlich erkennbarer Verlust oder Schaden | spätestens im Zeitpunkt der Ablieferung | keine Form vorgeschrieben |
| Nicht erkennbarer Verlust oder Schaden | sieben Tage, Sonn- und Feiertage nicht mitgerechnet | schriftlich |
| Verspätung | einundzwanzig Tage | schriftlich |
CMR-Übereinkommen, Artikel 30 Absätze 1 und 3.
Der Unterschied zwischen der ersten und der zweiten Zeile ist der, an dem es in der Praxis scheitert. Ist der Schaden zu sehen, hast du nur diesen einen Moment. Ist er nicht zu sehen, hast du eine Woche, aber dann muss es schriftlich sein.
Wenn der Zustand gemeinsam geprüft wurde
When the condition of the goods has been duly checked by the consignee and the carrier, evidence contradicting the result of this checking shall only be admissible in the case of loss or damage which is not apparent and provided that the consignee has duly sent reservations in writing to the carrier within seven days, Sundays and public holidays excepted, from the date of checking.
CMR-Übereinkommen, Artikel 30 Absatz 2.
Habt ihr den Zustand gemeinsam ordnungsgemäß geprüft, ist ein Gegenbeweis nur noch bei nicht erkennbarem Schaden zulässig, und nur mit schriftlichem Vorbehalt binnen sieben Tagen ab dem Tag der Prüfung.
Eine gemeinsame Prüfung ist damit die stärkste Position für beide Seiten: sie schließt Diskussionen über das, was sichtbar war, praktisch ab.
Verspätung ist ein eigener Fall
No compensation shall be payable for delay in delivery unless a reservation has been sent in writing to the carrier, within twenty-one days from the time that the goods were placed at the disposal of the consignee.
CMR-Übereinkommen, Artikel 30 Absatz 3.
Beachte den Anknüpfungspunkt: die Frist läuft ab dem Zeitpunkt, zu dem die Güter dem Empfänger zur Verfügung gestellt wurden. Nicht ab der vereinbarten Lieferfrist und nicht ab dem Tag, an dem jemand die Verspätung bemerkt.
Und der Satz ist absolut formuliert: ohne diesen schriftlichen Vorbehalt wird für Verspätung keine Entschädigung geschuldet.
Wie die Fristen gerechnet werden
In calculating the time-limits provided for in this Article the date of delivery, or the date of checking, or the date when the goods were placed at the disposal of the consignee, as the case may be, shall not be included.
CMR-Übereinkommen, Artikel 30 Absatz 4.
Der Tag selbst zählt also nicht mit. Die sieben Tage beginnen am Tag nach der Ablieferung oder der Prüfung, die einundzwanzig Tage am Tag nach der Zurverfügungstellung.
Zusammen mit dem Zusatz „Sonn- und Feiertage nicht mitgerechnet“ bei der Sieben-Tage-Frist heißt das: die Woche ist in Wirklichkeit länger als sieben Kalendertage. Verlass dich trotzdem nicht auf den letzten Tag.
Beide Seiten müssen die Prüfung ermöglichen
The carrier and the consignee shall give each other every reasonable facility for making the requisite investigations and checks.
CMR-Übereinkommen, Artikel 30 Absatz 5.
Das gilt in beide Richtungen. Ein Empfänger, der dich nicht auf die Rampe lässt, um selbst zu schauen, und ein Frachtführer, der nach dem Abladen sofort abfährt, arbeiten beide gegen diese Bestimmung.
Weiterlesen
- Der CMR-Frachtbrief, mit deiner Prüfpflicht beim Übernehmen der Güter
Quellen
- Übereinkommen über den Beförderungsvertrag im internationalen Straßengüterverkehr (CMR), Genf 1956, Artikel 30 Absätze 1 bis 5. Zitiert nach dem authentischen englischen Wortlaut, wie er im Anhang des britischen Carriage of Goods by Road Act 1965 wiedergegeben ist.
Verbindlich sind der englische und der französische Wortlaut des Übereinkommens; die deutsche Fassung im Bundesgesetzblatt ist eine Übersetzung. Die Zitate oben sind wörtlich aus dem englischen Text übernommen, die Erläuterungen sind unsere Übersetzung. Diese Seite erklärt das Übereinkommen und ist keine Rechtsberatung.
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